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Lächerlichkeit

Ich überlege, ob lächerlichkeit aus beginnender selbstvernachlässigung hervorgeht? und die vernachlässigung aus langsam anwachsendem überdruss? und wo kommt der überdruss her? ich gebe das denken auf. und doch fällt mir eine unterscheidung auf, die ich für brauchbar halte. ich trenne außenlächerlichkeit (wenn andre über mich lachen) von der innenlächerlichkeit (wenn nur ich über mich lache). mit der innenlächerlichkeit lerne ich gerade umzugehen, mit der außenlächerlichkeit kann ich es nicht. und schon versuche ich wieder zu denken und zu hoffen. wie schön das leben wäre, wenn es nur innenlächerlichkeit gäbe! dann gäbe es nur ein allgemeines inneres gelächter, das auf alle menschen gleichmäßig verteilt wäre und das deswegen niemanden kränken könnte.
und es wäre erlaubt und möglich, sich mit jedermann ohne jede vorerkundigung über lächerlichkeit auszutauschen, ja es wäre sogar möglich lächerlichkeit nach motiven zu untersuchen und die momente ihrer erfahrbarkeit zu ordnen. und es wäre sogar denkbar, die erscheinungen des alltags (das arbeiten, das reden, das lieben, das essen, das wohnen) sofort und unmittelbar lächerlich finden, ohne ein halbes leben lang darauf warten zu müssen, bis sich all diese regungen durch sich selbst blamiert hatten. welch ein herrliches, endgültiges freies leben.
augenblicksweise gerate ich in ein inneres schwärmen und vergesse, dass ich doch nur denke. erst der anblick eines schuhes auf dem garagendach gegenüber holt mich in die unbeweglichkeit des wirklichen zurück, dass ich voll unangenehmer routine anerkannte. das heißt, ich beschließe, über die lächerlichkeit vorerst zu schweigen und mich zu bemühen, sie nicht nach außen treten, sie für andere nicht kenntlich werden zu lassen.

5.8.07 20:46, kommentieren